Wege aus dem Berufsfrust
Dr. Erich Wühr informiert in der IHK über das Burnout-Syndrom Von Annette Weilermann
Überengagement, ein Leben für die Firma, Wettbewerbsdruck oder Existenzängste – dies alles können Gründe dafür sein, dass aus zielorientierten Unternehmern unbeteiligte Zuschauer im Betrieb werden. Die Diagnose lautet dann meistens: Burnout-Syndrom. Wie Betroffene wieder zur Leistungsfähigkeit zurückfinden können, darüber informierte Dr. Erich Wühr in der IHK.
„Burnout betrifft engagierte Menschen, die sich in ihrer Arbeit berufen fühlen, dann aber zu viel tun oder in die falsche Richtung“, erklärte Dr. Wühr, Zahnarzt, Heilpraktiker, Osteopat und TCN-Therapeut bei der Veranstaltung der Wirtschaftjunioren und des Bunds der Selbständigen in Passau. „Vom Burnout gefährdete Menschen wollen immer mehr arbeiten als die anderen, nehmen sich wenig Zeit für Familie oder haben soziale Kontakte nur noch auf beruflicher Ebene“, so Wühr. Die Folgen des Übereifers sind meist mangelnde Motivation, fehlendes Interesse, Fluchtgedanken. „Die körperlichen Reaktionen reichen von Müdigkeit oder Infektneigung bis hin zu Kopf- und Rückenschmerzen“, sagt Wühr. „Der Zustand ist vergleichbar wie bei chronisch Kranken.“ Hinzu kommen emotionale Reaktionen wie Frustration, Schuldzuweisungen oder Apathie, viele Betroffene werden streitsüchtig, intolerant oder stehen allem gleichgültig gegenüber.
Wie kommt man aus diesem „Sumpf“ wieder heraus? Die Formel des Spezialisten klingt einfach: krankheitsverursachende Faktoren, wie falsche Ernährung oder zu wenig Bewegung, meiden und gesundheitsbildende Werte suchen. „Jeder strebt nach Wohlbefinden und Glück, Gesundheit und Leistungsfähigkeit“, so Wühr. „Das größte Wohlbefinden spüren Menschen bei Herausforderungen, bei Tätigkeiten, wo der Körper Endorphine ausschüttet.“ Dies ist der Zustand des Fließens, des „Flows“. „Ihn erreicht man dadurch, dass jeder individuell für sich selbst Werte schöpft, sein Leben in die Hand nimmt, der Arbeit einen Sinn gibt und auch einmal kürzer tritt.“
Die Formel gegen Burnout lautet also: Die wichtigen Dinge, die dem Leben einen Inhalt geben, wie Gesundheit, Familie oder Beruf, dürfen von Nebensächlichkeiten, wie Karriere, Image oder Autos, nicht verdrängt werden. „Ein chinesischer Meister brachte dies mit einem Glas voller Steine, in das er ein Glas mit Sand schüttete, auf den Punkt“, erklärt Wühr. „Wenn man sich zuerst um die wichtigen Dinge im Leben, die Steine kümmert, ist noch Platz für die Vergnügungen, den Sand. Doch nicht, wenn man diese Reihenfolge vertauscht.“
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